•  Übersicht  •  Tiere  •  Geschichte  •  Verschiedenes  •  Maltechnik  •  
Mit der Tafelmalerei begonnen habe ich 1999 auf Anregung einer Kollegin, bei der ich hospitierte (das Zweite Staatsexamen frisch in der Tasche und den Lockruf meiner ehemaligen Schule im Ohr) und deren Klasse ich später übernommen habe. Sie wollte, dass ich eine Fledermaus und einen Maulwurf male. Das habe ich getan. Aus dem Kopf, schnell fertig. Die Kinder fanden die Bilder toll, und das war der Anfang. Ich habe mir immer mehr Zeit genommen, bin irgendwann dazu übergegangen, nur noch von Fotos abzumalen und habe meine Maltechnik verfeinert und effizienter gemacht.

Die ersten Bilder waren noch typische Anfängerbilder: Kreide hält zwar an der Tafel ganz gut, wenn man schreibt, aber wenn man mit flacher Kreide malt und eine Fläche schön kräftig anfärben will, schiebt man bald »Kreidemoränen« wie mit einem Schneepflug vor sich her. Setzt man ab, fallen Brösel in die Rinne und ein dunkles Loch oder eine dicke Linie mit Kreidestaub bleibt an der Tafel zurück; zu sehen auf dem Bild mit dem Schiff und dem Hai. - Gar nicht malen könnte ich mit der runden, festen Schreibkreide, die es in Weiß und in ein paar Pastellfarben gibt. Die nehme ich nur zum Vorzeichnen. Zum Malen selbst verwende ich eckige, weichere Kreide, die in zahlreichen Farben verfügbar ist - sogar in Schwarz.
Schwarze Kreide ist gar nicht so unwichtig. Bei den Tierbildern setze ich fast immer Schwarz ein (der Hai war mein erstes Bild mit schwarzer Kreide, aber noch ohne Schmiertechnik; 2000). Ich muss sie meist sogar einsetzen - wie sonst sollen beispielsweise Augen realistisch aussehen? Und Landschaften erscheinen mit pechschwarzem Hintergrund viel leuchtender (brennendes Troja, Mond-Bild). Für die reinen Schwarzweiß-Bilder (Holocaust, Wiederaufbau) habe ich allerdings nur weiße Malkreide verwendet. - Objekte mit viel Schwarz sind beim Abwischen übrigens eine große Herausforderung: Die schwarze Kreide hat einen höheren Öl- oder Fettgehalt und haftet so sehr an der Tafel, dass man zwei- oder dreimal sehr fest drüberwischen muss, bis bei trockener Tafel kein Rückstand mehr erkennbar ist.
Am allerwichtigsten für meine Malerei war die Entdeckung der Schmiertechnik. Davor war es immer ein Geduldsspiel gewesen, große einfarbige Flächen kantenfrei und trotzdem farbstark hinzubekommen, weil man beim Malen mit der flachen Kreide ab einem gewissen Punkt die schon aufgetragene Kreide wieder abträgt. Den Löwen habe ich für meinen Geschmack einfach nicht fluffig genug hinbekommen - also habe ich die Finger zur Hilfe genommen und die Kreide glatter gewischt. Und das klappte! Beim anschließenden Bild, dem Nilpferd, habe ich mich dann so richtig ausgetobt mit der Schmiertechnik. Danach habe ich nie wieder ein Bild ohne gemalt. Nur bei den Vögeln sind nach dem Verschmieren viele, viele Strichelchen wieder darübergemalt worden, damit sie nicht aussehen wie aus Samt.

Ich male nur nach Vorlagen. Die finde ich in der Regel über die Bildersuche von Google. Wo Google nicht weiterhilft, bin ich flexibel - da kommt auch schon mal ein Screenshot aus einem Computerspiel zum Einsatz (»Fluch der Karibik«, für das Schiff-Bild mit dem Sonnenuntergang). Die Vorlagen bringe ich ins Seitenformat der Tafel, knicke sie so, dass sie ein enges Gitter bekommen und erstelle an der leeren Tafel ein entsprechendes Gitter im Großformat. Dann geht es los mit der weißen Schreibkreide, die härter ist als die eckige Malkreide und sich leicht mit dem Handrücken wegwischen lässt. Das Vorzeichnen dauert je nach Komplexität des Objekts eine halbe bis zwei Stunden. Der zweite Schritt ist das Anfärben mit flach aufgelegter Malkreide. Das mache ich mittlerweile nur noch sehr grob, also ohne in jeden Winkel zu malen. Der finale Schritt, das Verschmieren mit den Fingerspitzen, ist das eigentliche Malen und nimmt etwa die Hälfte der Malzeit in Anspruch.

Beim Verschmieren sollte man darauf achten, dass man nicht ins Schwitzen kommt. Schweiß und Kreide ergeben ein fies klebendes Gemisch, welches sehr unschön aussehen kann, da es viel farbkräftiger ist als normal verschmierte Kreide. Auch sollte man die Finger zwischendrin nicht abwischen oder gar waschen, weil man mit sauberen Fingern nur bewirkt, dass die Finger bereits auf die Tafel aufgetragene Kreide wieder abtragen. Man sollte sogar vor dem Verschmieren die Finger am entsprechenden Kreidestück kräftig einfärben. Gelegentlich reicht das sogar zum Malen aus - Vormalen an der Tafel ist nicht unbedingt nötig, aber praktischer. Und ganz wichtig: Immer so kräftig schmieren wie möglich, denn der Kreidestaub muss in die Feinstruktur der Tafel hineinmassiert werden und bekommt nur dann einen kräftigen Glanz, wenn er kompakt aufgetragen wurde. Was zuerst paradox klingt - je fester man mit den Fingern schmiert, umso kräftiger wird die Farbe -, ist die Grundlage meiner Schmiertechnik.
Wenn Tafelbilder an der Tafel sind, verhänge ich ein totales Nasswischverbot (Schwamm verstecken, Hinweis anschreiben, Schüler und Fachkollegen anspitzen), denn nichts schadet einem Tafelbild so sehr wie ein versehentlicher Wasserspritzer oder Tafelsiff, der von außen oben in die geschlossene Tafel hineinläuft. Stößt mal jemand beim Vorbeilaufen aus Versehen an die Tafel und verwischt die Kreide, ist so ein Fehler leicht zu reparieren: Kreide in die linke Hand, rechten Zeigefinger fest auf der Kreide reiben, anschließend mit dem kreidigen Zeigefinger die Schwarte zuschmieren. - Übrigens: Kreide verblasst an der Tafel mit der Zeit, vor allem bei Sonneschein. Wer Tafelbilder fotografieren möchte, sollte das rechtzeitig tun.
Zum Abschluss eine kleine Serie mit Gegenüberstellungen von Original und Tafelbild. Du siehst, dass mit Kreide und einem dunkelgrünen Hintergrund natürlich ein fotorealistisches Malen nicht möglich ist, dass ich aber in der Regel eine ziemlich große Übereinstimmung mit der Vorlage erziele. Das ist ja auch der Sinn der Sache: Ich male Unterrichtsmaterialen. Da bringt Fantasie nicht viel. Und bei historischen Bildern wäre das sogar ein echter Frevel.
Wenn dir meine Bilder gefallen haben, würde ich mich sehr über einen Kommentar im Gästebuch freuen. Dass du einzelne Bilder über die Buttons rechts daneben in Sozialen Netzwerken teilen kannst, hast du wohl längst bemerkt; mit den Buttons der waagerechten Leiste hier unten kannst du die komplette Themenseite teilen: